Industrie-PCs für Energiewirtschaft & Smart Grid – Neousys Lösungen für die Energieinfrastruktur
Die Energiewirtschaft befindet sich im größten Umbruch seit der Elektrifizierung: Dezentrale Erzeugung durch Wind- und Solaranlagen, bidirektionale Energieflüsse und die Integration von Millionen Elektrofahrzeugen stellen das Stromnetz vor völlig neue Herausforderungen. Wo früher ein zentrales Kraftwerk über starre Leitungswege die Verbraucher versorgte, müssen heute Tausende verteilte Erzeuger, Speicher und Lasten in Echtzeit koordiniert werden. Das klassische Stromnetz wird zum Smart Grid – einem intelligenten, datengetriebenen System. [1]
Im Zentrum dieser Transformation stehen robuste Industrie-PCs: Sie überwachen Umspannwerke per SCADA, erfassen Netzqualitätsdaten über Phasor Measurement Units (PMU), steuern EV-Ladesäulen und übertragen Messdaten aus abgelegenen Windparks. Die Anforderungen an die Hardware sind dabei extrem – Temperaturen von –40 °C im skandinavischen Windpark bis +70 °C im Schaltschrank eines Wüsten-Solarkraftwerks, Spannungsschwankungen im Versorgungsnetz und die Notwendigkeit jahrelangen Dauerbetriebs ohne Wartung. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Anwendungen es in der Energiewirtschaft gibt, welche Anforderungen die Hardware erfüllen muss und welche Neousys-Systeme sich für typische Einsatzszenarien eignen.
Typische Anwendungen im Smart Grid
Industrie-PCs übernehmen in der modernen Energieinfrastruktur vielfältige Aufgaben – von der Hochspannungsebene bis zur letzten Meile beim Endverbraucher. Die folgenden sechs Einsatzszenarien repräsentieren die häufigsten Anforderungen, denen wir bei OMTEC in der Praxis begegnen.
1. SCADA-Systeme für Energienetze
SCADA-Systeme (Supervisory Control and Data Acquisition) bilden das Rückgrat der Netzleittechnik. Sie erfassen Messwerte von Schutzrelais, Leistungsschaltern und Transformatoren, visualisieren den Netzzustand und ermöglichen Fernschalthandlungen. Der Industrie-PC arbeitet dabei als lokaler SCADA-Knoten in der Schaltanlage und kommuniziert über IEC-61850-konforme Protokolle (MMS, GOOSE) mit den intelligenten elektronischen Geräten (IEDs). Entscheidend sind hier mehrere Ethernet-Ports für redundante Netzanbindung, niedrige Latenz und eine USV-Funktion, die bei Netzstörungen ein kontrolliertes Herunterfahren gewährleistet. [2]
2. Netzmonitoring und Phasor Measurement Units (PMU)
PMUs messen Spannungsamplituden und Phasenwinkel mit GPS-synchronisierten Zeitstempeln – bis zu 60 Mal pro Sekunde. Diese hochaufgelösten Daten ermöglichen die Echtzeitüberwachung der Netzstabilität und die frühzeitige Erkennung von Pendelungen und Frequenzabweichungen. Der Industrie-PC dient als Phasor Data Concentrator (PDC), der die Datenströme mehrerer PMUs aggregiert, filtert und an das übergeordnete Wide-Area Monitoring System (WAMS) weiterleitet. Hohe Rechenleistung, präzises Timing und zuverlässiger Dauerbetrieb sind hier unverzichtbar. [3]
3. Umspannwerk-Automatisierung (Substation Automation)
Die Digitalisierung von Umspannwerken gemäß IEC 61850 erfordert leistungsfähige Rechner auf der Stationsebene. Der Industrie-PC übernimmt die Rolle des Station Controllers – er koordiniert Schutzfunktionen, Verriegelungslogiken und die Kommunikation zwischen Bay-Level-IEDs und der Netzleitstelle. In Freiluftanlagen ist der PC extremen Temperaturschwankungen, elektromagnetischen Störfeldern und Spannungstransienten ausgesetzt. Daher sind ein erweiterter Temperaturbereich, EMV-Festigkeit nach EN 55032/55035 und eine integrierte SuperCap-USV essenziell. [4]
4. Smart Meter Gateway und Verteilnetzmanagement
Im Verteilnetz sammeln intelligente Messsysteme (Smart Meter) Verbrauchs- und Einspeisedaten von Haushalten, Gewerbebetrieben und dezentralen Erzeugern. Ein Smart Meter Gateway (SMGW) aggregiert diese Daten und leitet sie verschlüsselt an den Messstellenbetreiber weiter. Kompakte IoT-Gateways mit geringer Leistungsaufnahme, isolierten digitalen I/Os für die Sensoranbindung und Mobilfunk-Konnektivität (4G/LTE) eignen sich ideal für diese Aufgabe. Die DIN-Rail-Montage ermöglicht die platzsparende Installation in Verteilerschränken. [5]
5. EV-Ladeinfrastruktur-Management
Elektrofahrzeuge stellen das Verteilnetz vor neue Herausforderungen: Lastspitzen durch gleichzeitiges Laden, bidirektionales Laden (V2G) und dynamisches Lastmanagement erfordern intelligente Steuerungsrechner an den Ladepunkten. Der Industrie-PC überwacht den Ladezustand, kommuniziert über OCPP (Open Charge Point Protocol) mit dem Backend und steuert die Leistungsverteilung zwischen mehreren Ladepunkten. PoE+-Ports versorgen Überwachungskameras, während serielle Schnittstellen die Anbindung an Zähler und Energiemanagementsysteme ermöglichen. [6]
6. Wind- und Solar-Monitoring
Windkraftanlagen und Solarkraftwerke befinden sich häufig an abgelegenen Standorten mit extremen Umgebungsbedingungen. Der Industrie-PC im Turmfuß einer Windturbine oder im Wechselrichterraum eines Solarparks erfasst Betriebsdaten (Leistung, Drehzahl, Temperatur, Vibrationen), führt lokale Analysen durch und übermittelt verdichtete Ergebnisse an die Leitwarte. Für Offshore-Windparks sind die Anforderungen besonders hoch: Salzluft, starke Vibrationen und schwierige Erreichbarkeit für Wartung verlangen maximale Zuverlässigkeit und einen weiten Eingangsspannungsbereich. [7]
Anforderungen an die Hardware
Die Energieinfrastruktur stellt besondere Anforderungen an Industrie-PCs, die über die typischen industriellen Einsatzbedingungen hinausgehen. Die folgenden Kriterien sollten Sie bei der Hardware-Auswahl für Energieanwendungen berücksichtigen.
Erweiterter Temperaturbereich
Von der Offshore-Windanlage in der Nordsee (–40 °C im Winter) bis zum Wechselrichterschrank eines Solarparks im Süden (+70 °C) – die Temperaturspanne in der Energiewirtschaft ist extrem. Lüfterlose Systeme ohne bewegliche Teile eliminieren die häufigste Ausfallursache und verhindern, dass Feuchtigkeit und Salzluft ins Gehäuse gelangen. Ein Betriebstemperaturbereich von –40 °C bis +70 °C deckt nahezu alle Einsatzszenarien ab.
Weitbereichs-Stromversorgung und SuperCap-USV
In Umspannwerken und an dezentralen Einspeisepunkten schwankt die Versorgungsspannung stärker als in Büroumgebungen. Ein weiter Eingangsspannungsbereich von 8 bis 35 V DC macht den Industrie-PC unabhängig von der verfügbaren Stromquelle. Noch wichtiger ist eine integrierte SuperCap-USV: Superkondensatoren speichern genügend Energie (z. B. 2.500 Wattsekunden beim Nuvo-2600J), um bei Stromausfall ein sicheres Herunterfahren zu ermöglichen. Im Gegensatz zu Batterien arbeiten SuperCaps im gesamten Industrietemperaturbereich und halten über zehn Jahre – wartungsfrei. [8]
DIN-Rail-Montage für Schaltschränke
In Schaltanlagen und Verteilerschränken ist der Platz begrenzt. DIN-Rail-fähige Industrie-PCs (Hutschienenmontage nach EN 60715) lassen sich ohne zusätzliche Halterungen direkt auf der Tragschiene montieren – neben Sicherungsautomaten, Relais und Klemmenblöcken. Das spart Platz, vereinfacht die Installation und ermöglicht eine saubere Verdrahtung im Schaltschrank.
Cybersecurity nach IEC 62443
Die Energieinfrastruktur ist Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS) und damit besonders schützenswert. IEC 62443 definiert Anforderungen an die IT-Sicherheit industrieller Automatisierungssysteme in vier Sicherheitsstufen. Für Industrie-PCs in Energieanlagen ist mindestens Security Level 2 empfehlenswert – mit Netzwerksegmentierung, sicherer Authentifizierung, verschlüsselter Kommunikation und Firmware-Integritätsprüfung. Mehrere physisch getrennte Ethernet-Ports ermöglichen die Segmentierung von OT- und IT-Netzwerk. [9]
Industrielle Schnittstellen für die Energietechnik
Die Vielfalt der Geräte in der Energieinfrastruktur erfordert ein breites Schnittstellenspektrum:
- Gigabit Ethernet (redundant): Mehrere GbE-Ports für IEC-61850-Kommunikation (MMS, GOOSE), SCADA-Anbindung und Netzwerksegmentierung – idealerweise 2,5 GbE für hohen Datendurchsatz
- PoE+ (Power over Ethernet): Stromversorgung und Datenübertragung für Überwachungskameras, IP-basierte Sensoren und WLAN-Access-Points – bis zu 25,5 W pro Port
- RS-232/422/485: Serielle Kommunikation mit Schutzrelais, Messgeräten und RTUs (Remote Terminal Units) – softwarekonfigurierbar, Baudraten bis 921.600 bps
- Isolierte DIO: Galvanisch getrennte digitale Ein-/Ausgänge (5–24 V) für Alarmmeldungen, Statusabfragen und die Ansteuerung von Schaltausgängen
- Mini-PCIe / 4G-LTE: Mobilfunk-Konnektivität für abgelegene Standorte ohne Festnetzanbindung – unverzichtbar bei Windparks und Solaranlagen
- USB 3.2 (Schraubverriegelung): Sichere Anbindung von Messgeräten und externen Speichermedien für Datenlogging
Empfohlene Neousys-Hardware für die Energiewirtschaft
OMTEC vertreibt als autorisierter Neousys-Distributor Industrie-PCs und IoT-Gateways, die speziell für die rauen Bedingungen der Energieinfrastruktur konzipiert sind. Die folgenden Systeme decken das gesamte Leistungsspektrum ab – vom kompakten ARM-Gateway für Smart-Meter-Anwendungen bis zum leistungsstarken Substation Controller.
Neousys Nuvo-2600J – Kompakter Controller mit SuperCap-USV
Der Nuvo-2600J ist die ideale Plattform für Umspannwerk-Automatisierung und SCADA-Anwendungen. Der Intel Atom x6425E-Prozessor (4 Kerne, 2,0/3,0 GHz, 12 W TDP) liefert ausreichend Rechenleistung für IEC-61850-konforme Kommunikation und lokale Datenverarbeitung. Das Alleinstellungsmerkmal: die integrierte SuperCap-USV mit 2.500 Wattsekunden Energiekapazität, die bei Netzstörungen ein sicheres Herunterfahren ermöglicht – ohne verschleißanfällige Batterien. Vier GbE-PoE+-Ports mit Schraubverriegelung, ein Weitbereichs-Eingang von 8–35 V DC und der lüfterlose Betrieb von –25 °C bis +70 °C machen ihn zum zuverlässigen Partner in der Energieinfrastruktur. [10]
- CPU: Intel Atom x6425E (4 Kerne/4 Threads, 2,0/3,0 GHz, 12 W TDP)
- RAM: DDR4, bis 32 GB
- SuperCap-USV: 2.500 Wattsekunden, batteriefreier Betrieb, >10 Jahre Lebensdauer
- Netzwerk: 4x GbE PoE+ (Schraubverriegelung), IEEE 802.3at
- Stromversorgung: 8–35 V DC (Weitbereich)
- Temperatur: –25 °C bis +70 °C (lüfterlos)
- Shop: omtec.de/Nuvo-2600J-PoE
Neousys POC-600 – Ultrakompakter DIN-Rail-PC für Schaltanlagen
Die POC-600 Serie wurde speziell für den Einsatz in Schaltschränken und beengten Installationsumgebungen entwickelt. Die DIN-Rail-Montage erfolgt ohne zusätzliche Halterungen direkt auf der Hutschiene. Drei 2,5-GbE-Ports (davon zwei optional mit PoE+) bieten ausreichend Netzwerkbandbreite für SCADA-Kommunikation und IP-Kamera-Anbindung. Über das patentierte MezIO-Interface lassen sich applikationsspezifische Erweiterungsmodule integrieren – etwa zusätzliche digitale I/O, Zündungssteuerung oder WLAN-Adapter. Der Intel Atom x7425E-Prozessor arbeitet mit nur 12 W TDP, was die Abwärme im Schaltschrank minimiert. [11]
- CPU: Intel Atom x7425E (4 Kerne/4 Threads, 12 W TDP)
- RAM: DDR5-4800, bis 16 GB
- Netzwerk: 3x 2,5 GbE (Intel I225), optional 2x PoE+
- Montage: DIN-Rail (Hutschiene), optional Wandmontage
- Erweiterung: MezIO-Interface (DIO, Wireless, Ignition Control)
- Temperatur: –25 °C bis +70 °C (lüfterlos)
- Shop: omtec.de/POC-600-Series
Neousys IGT-30D – ARM-basierter IoT-Gateway für das Verteilnetz
Der IGT-30D ist ein ultrakompakter IoT-Gateway auf ARM-Basis, der speziell für verteilte Sensorik und Fernwirktechnik entwickelt wurde. Mit nur ca. 3 W Leistungsaufnahme und PoE-Powered-Device-Unterstützung (Stromversorgung über das Netzwerkkabel) eignet er sich ideal für die dezentrale Datenerfassung im Verteilnetz. Acht isolierte digitale Eingänge erfassen Sensorsignale, zwei digitale Ausgänge steuern Aktoren, und der konfigurierbare COM-Port (RS-232/422/485) ermöglicht die Anbindung an Messgeräte und Zähler. Über den Mini-PCIe-Slot lässt sich ein 4G/LTE-Modul für die Mobilfunk-Anbindung nachrüsten – unverzichtbar an abgelegenen Netzknoten. [12]
- CPU: TI Sitara AM3352 (ARM Cortex-A8, 1 GHz)
- RAM: 1 GB DDR3
- I/O: 8x isolierte DI, 2x isolierte DO, 1x RS-232/422/485 (konfigurierbar)
- Netzwerk: 2x 10/100M Ethernet, PoE Powered Device
- Konnektivität: Mini-PCIe für 4G/LTE/WiFi, USIM-Halter, optional CAN-Bus
- Montage: DIN-Rail, –25 °C bis +70 °C (lüfterlos)
- Betriebssystem: Debian Linux (vorinstalliert)
- Shop: omtec.de/IGT-30D
Neousys PB-9250J-SA – Standalone SuperCap-USV für Bestandssysteme
Für Bestandssysteme ohne integrierte USV bietet Neousys mit dem PB-9250J-SA ein eigenständiges SuperCap-Backup-Modul. Mit 9.250 Wattsekunden Energiekapazität und einer Dauerausgangsleistung von 180 W kann es auch größere Industrie-PCs bei Stromausfall sicher herunterfahren. Das DIN-Rail-fähige Modul arbeitet im Temperaturbereich von –25 °C bis +65 °C und ist mit acht 370-F-Superkondensatoren ausgestattet, die eine Lebensdauer von über zehn Jahren erreichen. Ideal für die Nachrüstung in Umspannwerken und Schaltanlagen. [8]
- Energiekapazität: 9.250 Wattsekunden
- Ausgangsleistung: 180 W Dauerlast
- Superkondensatoren: 8x 370 F / 3,0 V, >10 Jahre Lebensdauer
- Montage: DIN-Rail
- Temperatur: –25 °C bis +65 °C
Vergleichstabelle: Neousys-Systeme für die Energiewirtschaft
| Modell | CPU | Temperatur | Schnittstellen | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|---|
| Nuvo-2600J | Intel Atom x6425E (4 Kerne, 12 W), SuperCap-USV 2.500 Ws | –25 bis +70 °C | 4x GbE PoE+, USB 3.1, 8–35 V DC, Mini-PCIe | Umspannwerk-SCADA, Substation Controller, Netzüberwachung |
| POC-600 | Intel Atom x7425E (4 Kerne, 12 W) | –25 bis +70 °C | 3x 2,5 GbE (opt. PoE+), USB 3.2, MezIO, DIN-Rail | Schaltschrank-PC, EV-Lademanagement, Verteilnetz-Gateway |
| IGT-30D | TI Sitara AM3352 (ARM, 1 GHz), ~3 W | –25 bis +70 °C | 8x isol. DI, 2x isol. DO, RS-232/422/485, 2x Ethernet, PoE PD | Smart Meter Gateway, dezentrale Sensorik, Fernwirktechnik |
| PB-9250J-SA | – (USV-Modul, kein PC) | –25 bis +65 °C | 9.250 Ws Energie, 180 W Dauerlast, DIN-Rail | Nachrüstung USV für Bestandssysteme in Umspannwerken |
Praxisbeispiele aus der Energiewirtschaft
Szenario 1: Digitalisierung eines 110-kV-Umspannwerks
Ein regionaler Verteilnetzbetreiber modernisiert seine Umspannwerke nach IEC 61850. Die bestehende konventionelle Leittechnik soll durch ein digitales System ersetzt werden, das Schutzgeräte, Messwandler und Leistungsschalter über standardisierte Kommunikationsprotokolle vernetzt. Die Herausforderung: Das Umspannwerk liegt in einem ländlichen Gebiet, die Schaltanlage ist Temperaturschwankungen von –20 °C bis +55 °C ausgesetzt, und bei Schalthandlungen treten kurzzeitige Spannungseinbrüche auf.
Lösung: Drei Neousys Nuvo-2600J wurden als Station Controller auf der Stationsebene installiert. Die integrierten SuperCap-USVs überbrücken Spannungseinbrüche bei Schalthandlungen zuverlässig. Über die vier GbE-PoE+-Ports ist jeder Controller redundant mit dem IEC-61850-Netzwerk verbunden und versorgt gleichzeitig IP-Kameras zur Anlagenüberwachung mit Strom. Der Weitbereichs-Eingang von 8–35 V DC ermöglicht die direkte Versorgung aus der Stationsbatterie (24 V DC). Zusätzlich sichert ein PB-9250J-SA SuperCap-Modul den zentralen SCADA-Server ab.
Ergebnis: Vollständige IEC-61850-Konformität, erhöhte Verfügbarkeit durch redundante Kommunikationswege und Wegfall der jährlichen Batteriewartung dank SuperCap-Technologie.
Szenario 2: SCADA-Monitoring eines Onshore-Windparks
Ein Windparkbetreiber mit 24 Windturbinen benötigt ein zuverlässiges SCADA-System, das Betriebsdaten aller Anlagen in Echtzeit erfasst und an die zentrale Leitwarte übermittelt. Die Turbinen stehen in exponierter Lage, die Umgebungstemperaturen reichen von –25 °C im Winter bis +40 °C im Sommer. An den Turmfüßen ist nur eingeschränkter Platz im Schaltschrank verfügbar.
Lösung: In jeder Turbine wurde ein Neousys POC-600 auf der DIN-Rail im Schaltschrank montiert. Der kompakte Formfaktor passt neben die vorhandene Steuerungstechnik. Über die seriellen Schnittstellen (RS-485) kommuniziert der POC-600 mit den Turbinen-SPS, während zwei 2,5-GbE-Ports die Anbindung an das Windpark-Glasfasernetz und an eine lokale IP-Kamera (PoE+) herstellen. Die zentrale Windpark-Leitstelle nutzt einen Nuvo-2600J als SCADA-Server, der die Daten aller 24 Turbinen aggregiert. IGT-30D-Gateways an den Wettermessstationen erfassen Wind- und Temperaturdaten über ihre isolierten digitalen Eingänge und übermitteln sie per 4G an die Leitwarte.
Ergebnis: Lückenlose Echtzeitüberwachung aller Turbinen, reduzierte Reaktionszeiten bei Störungen und optimierte Wartungsplanung durch kontinuierliche Zustandsdaten.
Relevante Normen und Standards
Beim Einsatz von Industrie-PCs in der Energiewirtschaft und im Smart Grid sind die folgenden Normen und Standards von besonderer Bedeutung.
IEC 61850 – Kommunikation in Schaltanlagen
IEC 61850 ist der internationale Kommunikationsstandard für intelligente elektronische Geräte (IEDs) in Schaltanlagen und Umspannwerken. Der Standard definiert drei Kommunikationsformen: MMS (Manufacturing Message Specification) für die Kommunikation zwischen SCADA und IEDs, GOOSE (Generic Object Oriented Substation Event) für die horizontale Echtzeitkommunikation zwischen IEDs und SMV (Sampled Measured Values) für die Übertragung digitalisierter Messwerte. Der Standard teilt die Schaltanlage in drei Ebenen: Prozessebene (Leistungsschalter, Wandler), Feldebene (IEDs) und Stationsebene (SCADA, HMI). Industrie-PCs arbeiten typischerweise auf der Stationsebene. [2]
IEC 62443 – Cybersicherheit für industrielle Automatisierungssysteme
Die Normenreihe IEC 62443 definiert Anforderungen an die IT-Sicherheit von industriellen Automatisierungs- und Steuerungssystemen. In der Energiewirtschaft, die als kritische Infrastruktur eingestuft ist, gelten verschärfte Sicherheitsanforderungen. Die Norm unterscheidet vier Security Levels – für Energieanlagen ist mindestens Level 2 (Schutz vor gezielten Angriffen mit moderaten Mitteln) erforderlich. Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) verweist in seinen KRITIS-Anforderungen explizit auf IEC 62443. [9]
IEC 61968/61969 (CIM) – Datenmodell für Verteilnetze
Das Common Information Model (CIM) standardisiert den Datenaustausch zwischen Systemen in der Energieversorgung. IEC 61968 definiert Schnittstellen für das Verteilnetzmanagement, IEC 61970 für das Übertragungsnetz. Für Industrie-PCs, die als Gateways zwischen Feld- und Leitebene arbeiten, ist die CIM-Konformität der darauf laufenden Software relevant – sie stellt die Interoperabilität mit Systemen verschiedener Hersteller sicher. [13]
VDE-AR-N 4105 / VDE-AR-N 4110 – Einspeiserichtlinien
Diese VDE-Anwendungsregeln definieren die technischen Anforderungen für den Anschluss von Erzeugungsanlagen an das Nieder- und Mittelspannungsnetz. Sie fordern unter anderem Wirkleistungssteuerung, Blindleistungsbereitstellung und Fernwirkanbindung – Funktionen, die von Industrie-PCs als Steuerungsrechner an der Einspeisestelle umgesetzt werden. Die Einhaltung dieser Normen ist Voraussetzung für den Netzanschluss erneuerbarer Energieanlagen in Deutschland. [14]
EN 55032 / EN 55035 – EMV-Anforderungen
In Umspannwerken und Schaltanlagen treten starke elektromagnetische Störungen auf – durch Schalthandlungen, Lichtbögen und Hochspannungstransformatoren. Industrie-PCs müssen die EMV-Normen EN 55032 (Störaussendung) und EN 55035 (Störfestigkeit) erfüllen. Alle Neousys-Systeme sind nach diesen Normen geprüft und CE/FCC Class A-zertifiziert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Industrie-PCs eignen sich für den Einsatz in Umspannwerken?
Für Umspannwerke eignen sich lüfterlose Industrie-PCs mit erweitertem Temperaturbereich von –40 °C bis +70 °C, Weitbereichs-Stromversorgung (8–35 V DC) und SuperCap-USV für sicheres Herunterfahren bei Stromausfall. Der Neousys Nuvo-2600J mit integrierter SuperCap-USV (2.500 Wattsekunden) und 4x PoE+-Ports ist besonders geeignet, da er Spannungsschwankungen im Energienetz zuverlässig überbrückt.
Was bedeutet IEC 61850 und warum ist der Standard für Industrie-PCs im Smart Grid relevant?
IEC 61850 ist der internationale Kommunikationsstandard für intelligente elektronische Geräte (IEDs) in Schaltanlagen und Umspannwerken. Er definiert Protokolle wie MMS, GOOSE und SMV für die Echtzeitkommunikation zwischen Schutzgeräten, Steuerungen und SCADA-Systemen. Industrie-PCs im Smart Grid müssen IEC-61850-konforme Software ausführen können und benötigen dafür mehrere Ethernet-Ports, geringe Latenz und hohe Verfügbarkeit.
Warum ist eine SuperCap-USV für Industrie-PCs in der Energiewirtschaft wichtig?
In der Energiewirtschaft treten Spannungsschwankungen und kurzzeitige Stromausfälle häufiger auf als in anderen Branchen – etwa bei Schalthandlungen oder Netzstörungen. Eine SuperCap-USV überbrückt diese Unterbrechungen und ermöglicht ein kontrolliertes Herunterfahren des Systems, sodass keine Messdaten verloren gehen und das Dateisystem intakt bleibt. Anders als Batterien arbeiten SuperCaps im gesamten Industrietemperaturbereich und halten über zehn Jahre.
Welche Schnittstellen benötigt ein Industrie-PC für SCADA und Netzmonitoring?
Für SCADA und Netzmonitoring werden mehrere Gigabit-Ethernet-Ports für redundante Netzwerkanbindung, serielle Schnittstellen (RS-232/422/485) für die Kommunikation mit Schutzrelais und Messgeräten, isolierte digitale I/O für Alarmmeldungen sowie optional CAN-Bus für die Feldgeräteanbindung benötigt. PoE+-Ports ermöglichen die direkte Versorgung von IP-Kameras zur Überwachung von Schaltanlagen.
Kann ein kompakter IoT-Gateway Smart-Meter-Daten im Verteilnetz erfassen?
Ja. Kompakte IoT-Gateways wie der Neousys IGT-30D mit ARM-Prozessor, 8x isolierten digitalen Eingängen, serieller Schnittstelle und DIN-Rail-Montage eignen sich ideal als Smart Meter Gateway. Sie sammeln Verbrauchsdaten über ihre I/O-Schnittstellen, kommunizieren über 4G/LTE oder Ethernet mit dem Leitstellensystem und arbeiten dank ca. 3 W Leistungsaufnahme extrem energieeffizient.
Quellen und Referenzen
- [1] Bundesnetzagentur – Netzentwicklungsplan Strom: Ausbaubedarf und Digitalisierung der Energieinfrastruktur – netzentwicklungsplan.de
- [2] IEC 61850: Communication Networks and Systems for Power Utility Automation – iec61850.dvl.iec.ch
- [3] IEEE C37.118 – Standard for Synchrophasor Measurements for Power Systems – standards.ieee.org
- [4] Welotec – IEC 61850 in Substation Automation: Architektur und Anforderungen – welotec.com
- [5] BSI – Technische Richtlinie TR-03109: Anforderungen an Smart Meter Gateways – bsi.bund.de
- [6] Open Charge Alliance – OCPP (Open Charge Point Protocol) Spezifikation – openchargealliance.org
- [7] BDEW – Erneuerbare Energien: Technische Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen – bdew.de
- [8] Neousys Technology – SuperCap UPS Industrial Power Backup Module: Technologie und Spezifikationen – neousys-tech.com
- [9] IEC 62443: Industrial Communication Networks – IT Security for Networks and Systems – isa.org
- [10] Neousys Nuvo-2600 Serie – Compact Fanless Computer mit SuperCap UPS – neousys-tech.com
- [11] Neousys POC-600 Serie – Ultra-compact DIN-Rail Fanless Computer – neousys-tech.com (PDF)
- [12] Neousys IGT-30D – ARM-based Industrial IoT Gateway – neousys-tech.com
- [13] IEC 61968/61970 – Common Information Model (CIM) für die Energieversorgung – iec.ch
- [14] VDE FNN – VDE-AR-N 4105:2018 und VDE-AR-N 4110:2018: Technische Anschlussregeln – vde.com
Auf einen Blick
3+1
Neousys-Systeme für die Energiewirtschaft
–25 bis +70 °C
Betriebstemperaturbereich (lüfterlos)
9.250 Ws
SuperCap-USV-Kapazität (PB-9250J-SA)
IEC 61850
Kommunikationsstandard für Schaltanlagen
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