Moderne Gebäudeautomation, dezentrale Energiemanagementsysteme und industrielle IoT-Infrastrukturen stellen eine gemeinsame Anforderung: Rechenleistung muss direkt im Schaltschrank verfügbar sein – platzsparend, zuverlässig und ohne zusätzlichen Montageaufwand. Klassische Industrie-PCs im Desktop- oder 19-Zoll-Formfaktor sind für viele dieser Anwendungen schlicht zu groß oder erfordern eigene Einbaulösungen [1].
Genau hier setzen Hutschienen-PCs an. Ein DIN-Rail-PC wird direkt auf die genormte Tragschiene im Schaltschrank montiert – ohne Werkzeug, ohne Adapter, ohne zusätzlichen Platzbedarf. Dabei handelt es sich nicht um eingeschränkte Steuerungsrechner, sondern um vollwertige Computersysteme mit Windows oder Linux, die Aufgaben von der Prozessvisualisierung über die Protokollkonvertierung bis hin zur Edge-Datenverarbeitung übernehmen. Hersteller wie Neousys Technology haben mit der IGT-Serie speziell für diesen Einsatzzweck konzipierte Plattformen entwickelt, die industrielle Robustheit mit PC-Flexibilität verbinden [2]. Für Planer, Integratoren und Betreiber industrieller Anlagen bietet der Hutschienen-PC damit eine Lösung, die den Schaltschrank zur intelligenten Schaltzentrale macht.
Was ist ein Hutschienen-PC?
Ein Hutschienen-PC – auch als DIN-Rail-PC oder DIN-Schiene-Computer bezeichnet – ist ein kompakter Industriecomputer, der für die direkte Montage auf einer genormten Tragschiene (Hutschiene) nach EN 60715 konstruiert ist. Die Standardhutschiene TH35 mit 35 mm Breite ist in praktisch jedem Schaltschrank weltweit verbaut und bildet die universelle Montagebasis für Sicherungsautomaten, Relais, Klemmen und eben auch für spezialisierte Computersysteme.
Im Gegensatz zu einer SPS (Speicherprogrammierbaren Steuerung), die ein proprietäres Echtzeitbetriebssystem ausführt und primär für zyklische Steuerungsaufgaben nach IEC 61131-3 ausgelegt ist, arbeitet ein Hutschienen-PC mit einem vollwertigen Betriebssystem wie Windows 10 IoT, Windows 11 oder Linux. Dadurch können Sie Standard-Software einsetzen: Datenbanken, Webserver, SCADA-Clients, Python-Skripte, Docker-Container oder OPC-UA-Server. Der Schaltschrank-PC ergänzt die SPS als übergeordnete Datenverarbeitungsinstanz – er sammelt, aggregiert, visualisiert und leitet Informationen weiter, während die SPS die deterministische Prozesssteuerung übernimmt [3].
Die Neousys IGT-20 Serie ist ein typischer Vertreter dieser Geräteklasse: Ein lüfterloses System mit Intel-Prozessor, das auf der TH35-Hutschiene einrastet und dabei nur wenige Teilungseinheiten (TE) im Schaltschrank belegt. Trotz des kompakten Formfaktors bietet das System mehrere Gigabit-Ethernet-Ports, serielle Schnittstellen und digitale I/Os – alles, was für die Integration in eine Automatisierungsumgebung erforderlich ist.
Vorteile eines Hutschienen-PCs
Die Entscheidung für einen DIN-Rail-PC im Schaltschrank bringt gegenüber herkömmlichen Industrie-PC-Formfaktoren eine Reihe konkreter Vorteile mit sich. Die folgenden fünf Punkte verdeutlichen, warum sich der Hutschienen-Formfaktor in der Automatisierungstechnik zunehmend durchsetzt.
1. Platzsparende Bauform
Schaltschränke bieten begrenzten Raum, und jeder Zentimeter zählt. Ein Hutschienen-PC belegt in der Regel nur 6 bis 10 Teilungseinheiten (TE) auf der DIN-Schiene – das entspricht einer Breite von etwa 105 bis 175 mm. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Embedded-PC im Booksize-Format benötigt eine eigene Montageplatte und deutlich mehr Platz. Die Neousys IGT-Serie wurde speziell für diese Platzoptimierung entwickelt und fügt sich nahtlos zwischen Sicherungsautomaten, Relais und Klemmenblöcke ein.
2. Werkzeuglose Montage
Die Montage auf der TH35-Hutschiene erfolgt durch einfaches Einrasten – ohne Schrauben, Bohrungen oder Adapter. Das beschleunigt die Installation erheblich und vereinfacht den Gerätetausch im Servicefall. Ein defektes Gerät lässt sich innerhalb von Sekunden durch ein Ersatzgerät ersetzen, was die Stillstandzeiten bei Wartungsarbeiten minimiert. Die genormte Hutschienenbefestigung nach EN 60715 gewährleistet zudem, dass der PC in jedem standardkonformen Schaltschrank weltweit passt [1].
3. Lüfterloses Design
Im geschlossenen Schaltschrank ist eine aktive Lüfterkühlung kontraproduktiv: Lüfter saugen Staub an, verschleißen mechanisch und erzeugen Vibrationen. Hochwertige DIN-Rail-PCs wie die Systeme von Neousys arbeiten komplett lüfterlos und nutzen das Metallgehäuse als passiven Kühlkörper. Das Ergebnis: keine beweglichen Teile, kein Verschleiß, kein Wartungsaufwand für die Kühlung – und ein erweiterter Betriebstemperaturbereich von typischerweise -25 °C bis +70 °C, der den Einsatz in unklimatisierten Schaltschränken, Außenstationen und Produktionsumgebungen ermöglicht.
4. Industrielle Schnittstellen
Ein Schaltschrank-PC muss sich nahtlos in die bestehende Automatisierungslandschaft integrieren. Industrielle Hutschienen-PCs bieten daher Schnittstellen, die in der Automatisierungstechnik Standard sind:
- RS-232/422/485: Für die Kommunikation mit Messgeräten, Frequenzumrichtern und älterer Sensorik
- CAN Bus: Für Fahrzeugtechnik, mobile Maschinen und verteilte Steuerungssysteme
- Digitale I/Os (DIO): Für die direkte Ansteuerung von Relais, Signalleuchten und Sensoren
- Mehrere GbE-LAN-Ports: Für Netzwerksegmentierung und redundante Anbindung
- USB 3.0 und M.2-Slots: Für Speichererweiterung und zusätzliche Funktionsmodule
Die Neousys IGT-30 Serie bietet beispielsweise zwei RS-232/422/485-Ports, zwei Gigabit-LAN-Ports mit je eigener MAC-Adresse, USB 3.0 und konfigurierbare digitale I/Os – eine Schnittstellenausstattung, die den Hutschienen-PC zum universellen Kommunikationsknoten im Schaltschrank macht [2].
5. SPS-Integration und Ergänzung
Der Hutschienen-PC ersetzt die SPS nicht, sondern ergänzt sie auf ideale Weise. Während die SPS den deterministischen Prozess steuert, übernimmt der DIN-Rail-PC Aufgaben, die eine SPS nicht oder nur eingeschränkt leisten kann: Datenbankanbindung, Webvisualisierung, Protokollkonvertierung (etwa Modbus zu OPC UA), historische Datenaufzeichnung und Cloud-Konnektivität. Da beide Geräte auf derselben Hutschiene sitzen und über Ethernet oder serielle Schnittstellen kommunizieren, ergibt sich eine kompakte, leistungsstarke Gesamtlösung direkt im Schaltschrank.
Typische Einsatzbereiche
Die Kombination aus kompakter Bauform, industrieller Robustheit und vollwertigem Betriebssystem macht den Hutschienen-PC zur bevorzugten Plattform für eine Vielzahl von Anwendungen im Schaltschrank.
Gebäudeautomation
In der modernen Gebäudetechnik steuert ein DIN-Rail-PC Beleuchtung, Heizung, Lüftung und Klimaanlage (HLK) über standardisierte Protokolle wie BACnet, KNX oder Modbus. Der PC erfasst Sensordaten – Temperatur, Luftfeuchte, CO2-Konzentration, Präsenz – und regelt die Gebäudetechnik bedarfsgerecht. Gleichzeitig stellt er ein webbasiertes Dashboard für die Gebäudeverwaltung bereit. Neousys IGT-Systeme eignen sich dafür besonders, da sie mit ihren seriellen Schnittstellen und der kompakten Bauform direkt in den Unterverteilungen der einzelnen Gebäudebereiche montiert werden können.
Energiemanagement
Im Kontext der Energiewende müssen Industrieunternehmen und Versorgungseinrichtungen ihren Energieverbrauch präzise erfassen, analysieren und optimieren. Ein Schaltschrank-PC liest Energiezähler über RS-485/Modbus aus, berechnet Lastprofile in Echtzeit und steuert Verbraucher gezielt zur Lastspitzenvermeidung. Die lokale Datenverarbeitung garantiert Reaktionszeiten im Millisekundenbereich – unverzichtbar, wenn Lastspitzen innerhalb weniger Sekunden erkannt und abgefangen werden müssen [4].
Maschinensteuerung und Prozessvisualisierung
Als HMI-Controller (Human Machine Interface) verbindet der Hutschienen-PC die SPS-Ebene mit der Bedienerebene. Er liest Prozessdaten aus der SPS via OPC UA oder Modbus TCP, visualisiert sie auf einem angeschlossenen Touchpanel oder per Webbrowser und ermöglicht dem Bedienpersonal die Überwachung und Parametrierung des Prozesses. Die Neousys POC-Serie bietet hierfür die notwendige Grafikleistung und Schnittstellenvielfalt, während die IGT-Serie als kompaktere Alternative für einfachere Visualisierungsaufgaben dient.
IoT-Gateway
In verteilten Anlagen fungiert der DIN-Rail-PC als intelligentes Gateway zwischen der Feldebene und der Cloud. Er sammelt Daten von Sensoren und Steuerungen über industrielle Protokolle, transformiert und aggregiert sie und leitet verdichtete Informationen über MQTT, AMQP oder REST-APIs an IoT-Plattformen wie Azure IoT Hub oder AWS IoT Greengrass weiter. Bei Netzwerkausfällen puffert der PC die Daten lokal und synchronisiert sie nach Wiederherstellung der Verbindung – ein entscheidender Vorteil gegenüber einfachen IoT-Gateways ohne lokale Intelligenz.
Prozessvisualisierung und SCADA
Kompakte SCADA-Stationen direkt im Schaltschrank ermöglichen die dezentrale Überwachung von Teilprozessen. Ein Neousys Hutschienen-PC führt SCADA-Software wie Ignition, AVEVA Edge oder Node-RED aus und stellt Prozessdaten lokal dar. Bei verteilten Anlagen – etwa Kläranlagen, Wasserwerken oder Umspannwerken – ermöglicht dies eine autonome Überwachung vor Ort, auch wenn die zentrale Leitwarte vorübergehend nicht erreichbar ist.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Die Auswahl des richtigen Hutschienen-PCs hängt von den spezifischen Anforderungen Ihrer Anwendung ab. Die folgenden Kriterien helfen Ihnen, die optimale Lösung für Ihren Schaltschrank zu finden.
Temperaturbereich
Der Betriebstemperaturbereich ist eines der wichtigsten Auswahlkriterien. In klimatisierten Schaltschränken genügt ein Bereich von 0 bis +50 °C. Für unklimatisierte Schaltschränke in Produktionshallen, Außenstationen oder Sonderanwendungen sollten Sie Systeme mit einem erweiterten Bereich von -25 °C bis +70 °C wählen. Die Neousys IGT-Serie und die POC-Serie erfüllen diesen erweiterten Temperaturbereich und eignen sich damit auch für den Einsatz in rauen Umgebungen wie Windkraftanlagen, Solarparks oder Tunnelinfrastruktur [5].
Schnittstellen
Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Kommunikationsprotokolle in Ihrer Anlage zum Einsatz kommen. Für die Anbindung von Energiezählern und Frequenzumrichtern benötigen Sie in der Regel RS-485. Für mobile Maschinen und Fahrzeugtechnik ist ein CAN-Bus-Interface unverzichtbar. Digitale I/Os (DIO) ermöglichen die direkte Ansteuerung von Aktoren ohne zusätzliche I/O-Module. Achten Sie zudem auf die Anzahl der Ethernet-Ports: Mindestens zwei LAN-Ports sind empfehlenswert, um Maschinen- und Officenetzwerk sauber zu trennen.
Stromversorgung
Im Schaltschrank wird in der Regel mit Gleichspannung gearbeitet. Industrielle DIN-Rail-PCs unterstützen typischerweise einen weiten Eingangsspannungsbereich von 9 bis 48 V DC, was den Betrieb an verschiedenen Hutschienen-Netzteilen ermöglicht und Toleranzen bei der Spannungsversorgung abfedert. Achten Sie auf integrierte Überspannungs- und Verpolschutzschaltungen – im Schaltschrank können Spannungsspitzen durch Schalthandlungen auftreten, die empfindliche Elektronik beschädigen können.
Hutschienenprofil und Einbaubreite
Die meisten Schaltschrank-PCs sind für die TH35-Hutschiene (35 mm, nach DIN 46277 / EN 60715) ausgelegt – das ist der absolute Standard in der Elektroinstallation und Automatisierungstechnik. Die Einbaubreite wird in Teilungseinheiten (TE) nach DIN 43880 angegeben, wobei eine TE 17,5 mm entspricht. Prüfen Sie vor der Beschaffung, ob im Schaltschrank ausreichend TE-Plätze auf der Hutschiene verfügbar sind. Kompakte Modelle der Neousys IGT-Serie benötigen etwa 6 bis 8 TE und passen damit auch in eng bestückte Schaltschränke [1].
Quellen
- [1] EN 60715 / DIN 46277 – Abmessungen von Niederspannungs-Schaltgeräten: Befestigungen auf genormten Tragschienen
- [2] Neousys Technology – IGT-Series DIN-Rail Fanless Embedded Computer, Produktdatenblatt
- [3] IEC 61131-3 – Speicherprogrammierbare Steuerungen: Programmiersprachen (SPS-Grundnorm)
- [4] VDE 0100-710 / DIN EN 60364 – Elektrische Anlagen von Gebäuden: Energieeffizienz und Lastmanagement
- [5] DIN 43880 – Installationsgeräte für Niederspannung: Bemessungsgrößen, Teilungseinheiten und Einbauplätze
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Häufige Fragen (FAQ)
Eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) ist auf deterministische Echtzeitsteuerung spezialisiert und führt zyklisch ein festes Programm aus. Ein Hutschienen-PC ist ein vollwertiger Computer mit Betriebssystem (Windows oder Linux), der zusätzlich Aufgaben wie Datenvisualisierung, Protokollkonvertierung, Datenbankanbindung und Edge Computing übernimmt. In modernen Anlagen ergänzen sich beide Systeme: Die SPS steuert den Prozess, der Hutschienen-PC übernimmt die übergeordnete Datenverarbeitung.
Die meisten industriellen Hutschienen-PCs sind für die Standard-Hutschiene TH35 nach EN 60715 ausgelegt. Diese 35 mm breite Tragschiene ist in nahezu jedem Schaltschrank verbaut. Die Montagebreite des PCs wird in Teilungseinheiten (TE) angegeben, wobei eine TE 17,5 mm entspricht. Kompakte Modelle wie die Neousys IGT-Serie belegen etwa 6 bis 8 TE und passen damit auch in eng bestückte Verteilungen.
Ja, moderne Hutschienen-PCs unterstützen Remote-Management über Netzwerkprotokolle wie SSH, VNC, RDP oder MQTT. Viele Modelle bieten zusätzlich Out-of-Band-Management über IPMI oder eine dedizierte Management-Schnittstelle. Damit lassen sich Firmware-Updates, Konfigurationsänderungen und Diagnosen durchführen, ohne vor Ort sein zu müssen – ideal für verteilte Standorte in der Gebäudeautomation oder Energieversorgung.
OMTEC – Ihr Neousys-Experte
„Der Hutschienen-PC bringt vollwertige Rechenleistung direkt dorthin, wo sie gebraucht wird – in den Schaltschrank. Als autorisierter Neousys-Distributor beraten wir Sie bei der Auswahl der passenden DIN-Rail-Plattform: von der kompakten IGT-Serie bis zum leistungsstarken POC-System.“
– Ihr Technik-Team, OMTEC
