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Industrie-PCs für Medizintechnik & Labor – Lüfterlose Lösungen für Klinik, Diagnostik und Reinraum

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran: Bildgebende Verfahren erzeugen immer größere Datenmengen, Laborautomation ersetzt manuelle Arbeitsschritte und KI-gestützte Diagnostik verspricht präzisere Befunde in kürzerer Zeit. Hinter all diesen Fortschritten stehen Computersysteme, die unter besonderen Bedingungen zuverlässig arbeiten müssen – in sterilen OP-Sälen, in Reinräumen der pharmazeutischen Produktion und neben empfindlichen medizinischen Geräten, die keine elektromagnetischen Störungen tolerieren.

Herkömmliche Desktop-PCs mit Lüftern sind für diese Umgebungen ungeeignet: Sie verwirbeln Partikel, erzeugen elektromagnetische Emissionen und fallen durch verschmutzte Kühlkörper vorzeitig aus. Lüfterlose Industrie-PCs hingegen arbeiten komplett ohne bewegliche Teile, sind leicht zu desinfizieren und erfüllen die strengen EMV-Anforderungen medizinischer Umgebungen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Anforderungen Medizintechnik und Labor an die Hardware stellen, welche Neousys-Systeme sich für typische Anwendungen eignen und welche Normen Sie bei der Integration beachten müssen. [1]

Typische Anwendungen in Medizintechnik & Labor

Industrie-PCs übernehmen im klinischen und labortechnischen Umfeld eine Vielzahl spezialisierter Aufgaben. Die folgenden sechs Einsatzszenarien repräsentieren die häufigsten Anforderungen, denen wir bei OMTEC in der Praxis begegnen.

1. Medizinische Bildgebung und Bildverarbeitung

CT-Scanner, MRT-Systeme und digitale Röntgengeräte erzeugen hochauflösende Bilddaten, die in Echtzeit rekonstruiert, gefiltert und dargestellt werden müssen. Der Industrie-PC fungiert als Bildverarbeitungsrechner innerhalb des Gerätesystems oder als Befundungsstation am Arbeitsplatz des Radiologen. Entscheidend sind hier GPU-Leistung für die 3D-Rekonstruktion, niedrige EMV-Emissionen (um die empfindlichen Detektoren nicht zu stören) und eine zuverlässige 24/7-Verfügbarkeit – Ausfallzeiten sind in der medizinischen Versorgung inakzeptabel. [2]

2. Laborautomation und LIMS-Anbindung

Moderne Labore setzen auf automatisierte Analysegeräte, Pipettierroboter und Probensortieranlagen, die über serielle Schnittstellen (RS-232/485) und Ethernet kommunizieren. Der Industrie-PC steuert diese Geräte, erfasst Messergebnisse und leitet sie an das Labor-Informations-Management-System (LIMS) weiter. In der klinischen Chemie und Hämatologie verarbeitet er täglich Tausende Proben – Ausfallsicherheit und Datenkonsistenz sind hier direkt patientenrelevant. [3]

3. Elektronische Patientenakte und Stationsrechner

An Pflegestationen, in Ambulanzen und in Arztpraxen dienen Industrie-PCs als Thin Clients oder Workstations für die elektronische Patientenakte (EPA). Sie müssen geräuschlos arbeiten (Patientenkomfort), leicht zu reinigen sein (Hygiene) und sich in bestehende Krankenhaus-IT-Infrastrukturen mit VPN, Active Directory und HL7-Schnittstellen integrieren lassen. Kompakte Bauformen ermöglichen die Montage hinter Monitoren oder unter Schreibtischen, ohne wertvolle Arbeitsfläche zu belegen.

4. Chirurgische Assistenzsysteme und OP-Roboter

Robotergestützte Chirurgie und computergestützte Navigation in der Orthopädie und Neurochirurgie erfordern Echtzeit-Rechenleistung für Bahnplanung, Instrumentenverfolgung und Bildregistrierung. Der Industrie-PC muss geringe Latenz, hohe Rechenleistung und absolute Zuverlässigkeit liefern. PCIe-Erweiterungsslots erlauben den Einbau spezialisierter Karten für Motion Control und Echtzeit-Ethernet (EtherCAT). Das lüfterlose Design verhindert zusätzliche Partikelemission im sterilen OP-Feld. [4]

5. In-vitro-Diagnostik (IVD)

IVD-Geräte für Immunoassays, PCR-Analysen und Blutgasbestimmung enthalten zunehmend eingebettete Computersysteme für die Gerätesteuerung und Datenauswertung. Die EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR 2017/746) stellt erhöhte Anforderungen an die Softwarevalidierung und Rückverfolgbarkeit. Der Industrie-PC als Steuerungskomponente muss langzeitverfügbar sein (mindestens 5–7 Jahre), damit der Gerätehersteller im Zertifizierungszyklus keine Hardware-Änderung durchführen muss. [5]

6. Reinraumproduktion und Pharma

In Reinräumen der Klassen ISO 5 bis ISO 8 (nach ISO 14644-1) gelten strenge Partikelgrenzwerte. Jedes Gerät mit Lüfter erhöht die Partikelkonzentration und gefährdet die Klassifizierung des Raums. Lüfterlose Industrie-PCs mit geschlossenen Aluminiumgehäusen lassen sich mit gängigen Desinfektionsmitteln abwischen, ohne dass Feuchtigkeit ins Innere gelangt. Für die Reinraumproduktion von Pharmazeutika, Halbleitern oder medizinischen Implantaten sind sie daher die einzig sinnvolle Wahl. [6]

Anforderungen an die Hardware

Medizinische Umgebungen und Labore stellen spezifische Anforderungen, die über die typischen industriellen Kriterien hinausgehen. Die folgenden Punkte sollten Sie bei der Auswahl eines Industrie-PCs für diesen Bereich besonders beachten.

Lüfterlose Bauweise für Hygiene und Partikelfreiheit

Lüfterlose Systeme eliminieren die zwei größten Risiken konventioneller PCs in medizinischen Umgebungen: Partikelverteilung und Keimansammlung. Ohne Lüfteröffnungen bietet das geschlossene Aluminiumgehäuse keine Eintrittspunkte für Flüssigkeiten bei der Flächendesinfektion. Gleichzeitig entfällt die häufigste Ausfallursache – der Lüftermotor –, was die MTBF (Mean Time Between Failures) deutlich erhöht.

EN 60601-1 und elektromagnetische Verträglichkeit

Die Grundnorm EN 60601-1 für die Sicherheit medizinisch-elektrischer Geräte stellt strenge Anforderungen an elektromagnetische Emissionen und Störfestigkeit. Während der Industrie-PC als Komponente nicht eigenständig nach EN 60601-1 zertifiziert sein muss, erleichtert eine niedrige Basisemission dem Systemintegrator die Zertifizierung des Gesamtgeräts erheblich. Lüfterlose Neousys-Systeme erfüllen EN 55032 Klasse A (viele Modelle Klasse B) und EN 55035 – deutlich unterhalb der in EN 60601-1-2 geforderten Grenzwerte. [7]

Kompakte Bauform für Geräteintegration

Medizinische Geräte unterliegen strengen Bauraumvorgaben. Ein CT-Scanner oder ein Laboranalysator hat keinen Platz für einen Tower-PC. Industrie-PCs wie der Neousys Nuvo-9531 mit nur 212 x 165 x 63 mm oder die POC-700 Serie mit 64 x 116 x 176 mm lassen sich in Gerätegehäuse, hinter Monitore oder unter Laborbänke integrieren, ohne den Arbeitsablauf zu behindern.

24/7-Dauerbetrieb und Langzeitverfügbarkeit

Klinische Systeme arbeiten im Dauerbetrieb – ein MRT-Scanner oder ein Laboranalysator läuft rund um die Uhr. Der Industrie-PC muss für den ununterbrochenen Einsatz ausgelegt sein: industrietaugliche SSDs, Watchdog-Timer für automatische Neustarts und eine Plattform-Langzeitverfügbarkeit von mindestens 5 Jahren. Letzteres ist besonders relevant, weil medizinische Geräte lange Zertifizierungszyklen durchlaufen und Hardware-Wechsel eine erneute Validierung erfordern. [8]

Galvanische Trennung und Patientensicherheit

Bei Geräten mit Patientenkontakt fordert die EN 60601-1 eine galvanische Trennung zur Vermeidung von Leckströmen. Industrie-PCs mit isolierten seriellen Schnittstellen und isolierten digitalen I/O bieten eine zusätzliche Sicherheitsebene. Die Neousys-Systeme verfügen über isolierte DIO und softwarekonfigurierbare serielle Ports, die sich flexibel an die jeweilige Schutzklasse anpassen lassen.

Medizinische Schnittstellen und Konnektivität

Die Vielfalt der Geräte in klinischen und labortechnischen Umgebungen erfordert ein breites Schnittstellenspektrum:

  • RS-232/422/485: Serielle Kommunikation mit Analysegeräten, Pipettierrobotern und Patientenmonitoren – softwarekonfigurierbar, Baudraten bis 921.600 bps
  • GigE / GigE PoE+: Hochgeschwindigkeits-Anbindung von Mikroskopkameras, Endoskopsystemen und medizinischen Bildgebungsgeräten – bis zu 25,5 W pro PoE-Port
  • USB 3.2 Gen2: Barcode-Scanner für Probenverfolgung, externe Speichermedien und Peripheriegeräte mit bis zu 10 Gbit/s
  • Ethernet (Multi-Port): Netzwerksegmentierung zwischen klinischem Netz, Gerätenetz und Verwaltungsnetz – physisch getrennt für IT-Sicherheit
  • M.2 / mPCIe: Nachrüstung von WLAN, 5G oder speziellen Schnittstellenkarten für Gerätekommunikation (z. B. CAN Bus, GPIB)
  • HDMI / DisplayPort: Hochauflösende Displayausgabe für Befundungsmonitore und OP-Displays

Empfohlene Neousys-Hardware für Medizintechnik & Labor

OMTEC vertreibt als autorisierter Neousys-Distributor eine breite Palette von Industrie-PCs, die sich durch ihre lüfterlose Bauweise, geringe EMV-Emission und kompakte Abmessungen hervorragend für medizinische und labortechnische Anwendungen eignen. Die folgenden Systeme decken das gesamte Leistungsspektrum ab.

Neousys Nuvo-9531 Serie – Ultrakompakt für Geräteintegration

Die Nuvo-9531 Serie gehört zu den kompaktesten lüfterlosen Embedded-Computern auf Basis der Intel 14./13./12.-Gen-Plattform. Mit Abmessungen von nur 212 x 165 x 63 mm (Standardmodell) bzw. 212 x 165 x 45 mm (FT-Variante mit Flachkühlkörper) lässt sich das System direkt in medizinische Gerätegehäuse, Laborschubfächer oder Schaltkonsolen integrieren. Vier 2,5-GbE-Ports mit optionalem PoE+ ermöglichen den Anschluss von Kameras und Netzwerkgeräten. Die Hot-Swap-SSD-Halterung erlaubt den Speichertausch ohne Geräteöffnung – ideal für Umgebungen, in denen das Gehäuse nicht geöffnet werden darf. [9]

  • CPU: Intel 14./13./12. Gen Core i (LGA1700), bis 24 Kerne/32 Threads, 35 W oder 65 W TDP
  • RAM: DDR5-4800, bis 64 GB
  • Speicher: M.2 Gen4x4 NVMe (bis 7.000 MB/s) + Hot-Swap 2,5″-SSD
  • Temperatur: –25 °C bis +70 °C (lüfterlos, 35-W-CPU)
  • Maße: 212 x 165 x 63 mm / 2,5 kg
  • Einsatz: Laboranalysator-Steuerung, IVD-Geräte, Stationsrechner, EPA-Workstation
  • Shop: omtec.de/Nuvo-9531

Neousys Nuvo-9160GC – GPU-Computing für medizinische Bildgebung

Die Nuvo-9160GC Serie vereint Intel-14./13./12.-Gen-Prozessoren mit einer NVIDIA-RTX-GPU (bis 130 W TDP) in einem robusten, gehärteten Gehäuse. Die GPU liefert bis zu 15 TFLOPS FP32-Rechenleistung für die Echtzeit-Bildrekonstruktion bei CT und MRT, für KI-gestützte Diagnostik mit neuronalen Netzen und für die 3D-Visualisierung in der chirurgischen Planung. Sechs 2,5-GbE-Ports (davon vier optional mit PoE+) und sechs USB-3.2-Ports ermöglichen den Anschluss mehrerer Kameras und Peripheriegeräte gleichzeitig. Das patentierte Kassetten-System für die GPU trennt den Luftstrom von der passiv gekühlten Hauptplatine. [10]

  • CPU: Intel 14./13./12. Gen Core i (LGA1700), bis 24 Kerne/32 Threads
  • GPU: NVIDIA RTX 4060, RTX 4000 SFF Ada, RTX A2000 oder RTX 3050 (bis 130 W)
  • KI-Leistung: Bis zu 15 TFLOPS FP32 (GPU)
  • Temperatur: –25 °C bis +60 °C
  • Speicher: M.2 Gen4x4 NVMe + 2x 2,5″ SATA HDD/SSD
  • Einsatz: CT/MRT-Bildrekonstruktion, KI-Diagnostik, chirurgische Navigation, Pathologie
  • Shop: omtec.de/Nuvo-9160GC

Neousys POC-700 Serie – Kompakt für Labor und Diagnostik

Mit nur 64 x 116 x 176 mm und einem Stromverbrauch ab 12 W ist die POC-700 Serie prädestiniert für platzkritische Laborumgebungen. Vier GigE-PoE+-Ports mit Schraubverriegelung verbinden Mikroskopkameras und Bildgebungssensoren vibrationssicher. Der Intel Core i3-N305 (8 Kerne) unterstützt Intel OpenVINO für KI-basierte Bildanalyse – etwa zur automatischen Zellzählung in der Hämatologie oder zur Gewebeerkennung in der digitalen Pathologie. DIN-Rail-Montage und front-zugrängliche I/O erleichtern die Installation in Laborschaltschränken. [11]

  • CPU: Intel Core i3-N305 (8 Kerne/8 Threads) oder Atom x7425E (4 Kerne/4 Threads)
  • RAM: DDR5-4800, bis 16 GB
  • Bildgebung: 4x GigE PoE+ mit Schraubverriegelung, OpenVINO-Unterstützung
  • Temperatur: –25 °C bis +70 °C (lüfterlos)
  • Maße: 64 x 116 x 176 mm (ultrakompakt), ab 12 W Verbrauch
  • Einsatz: Mikroskopie-Steuerung, Laboranalyse, Point-of-Care-Diagnostik, Probenverwaltung
  • Shop: omtec.de/POC-700-Series

Neousys Nuvo-9000 Serie – Flexibel mit PCIe-Erweiterung

Die Nuvo-9000 Serie bietet maximale Erweiterbarkeit für spezialisierte medizinische Anwendungen. Bis zu zwei PCIe-x16-Slots nehmen GPU-Karten, Motion-Control-Karten für OP-Roboter oder Frame-Grabber-Karten für hochauflösende Endoskopie auf. Sechs 2,5-GbE-Ports mit optionalem PoE+ und ein USB-C-Anschluss mit 20 Gbit/s sorgen für Konnektivität. Das MezIO-Interface ermöglicht modulare Erweiterungen mit isolierten DIO, zusätzlichen COM-Ports oder PoE-Modulen – anpassbar an die jeweilige Gerätekonfiguration. [12]

  • CPU: Intel 14./13./12. Gen Core i (LGA1700), bis 24 Kerne/32 Threads, 65 W TDP
  • RAM: DDR5-4800, bis 64 GB
  • Erweiterung: Bis zu 2x PCIe x16 Gen3, MezIO-Interface
  • Temperatur: –25 °C bis +70 °C (lüfterlos, 35-W-CPU)
  • Zertifizierung: MIL-STD-810H, CE/FCC Class A, UL
  • Einsatz: OP-Roboter-Steuerung, Endoskopie, MES-Gateway im Reinraum, Geräteintegration
  • Shop: omtec.de/Nuvo-9000-Series

Vergleichstabelle: Neousys-Systeme für Medizintechnik & Labor

Modell CPU GPU / KI Maße (mm) Einsatzbereich
Nuvo-9531 Intel 14./13./12. Gen, bis 24 Kerne 212 x 165 x 63 IVD-Geräte, Laborsteuerung, EPA-Workstation
Nuvo-9160GC Intel 14./13./12. Gen, bis 24 Kerne NVIDIA RTX, bis 15 TFLOPS FP32 ca. 250 x 240 x 168 CT/MRT-Bildgebung, KI-Diagnostik, Pathologie
POC-700 Intel i3-N305 (8 Kerne) oder Atom x7425E Intel OpenVINO 64 x 116 x 176 Mikroskopie, Point-of-Care, Laboranalyse
Nuvo-9000 Intel 14./13./12. Gen, bis 24 Kerne/32 Threads Bis zu 2x PCIe x16 für GPU ca. 250 x 240 x 168 OP-Roboter, Endoskopie, Reinraum-MES

Praxisbeispiele aus Medizintechnik & Labor

Szenario 1: KI-gestützte Bildanalyse in der digitalen Pathologie

Ein Zentrallabor einer Universitätsklinik digitalisiert histologische Schnittpräparate mit Hochgeschwindigkeits-Slidescannern. Die resultierenden Whole-Slide-Images (WSI) sind mehrere Gigabyte groß und müssen in Echtzeit analysiert werden, um auffällige Gewebeveränderungen automatisch zu markieren und dem Pathologen priorisiert vorzulegen.

Lösung: Drei Neousys Nuvo-9160GC Systeme mit NVIDIA RTX 4060 wurden als Bildanalyse-Server im Technikraum neben dem Labor installiert. Jedes System ist über die sechs 2,5-GbE-Ports mit den Slidescannern und dem PACS (Picture Archiving and Communication System) verbunden. Die GPU führt ein Deep-Learning-Modell für die Tumorerkennung aus, während die Intel-CPU die DICOM-Konvertierung und Datenbankanbindung übernimmt. Die M.2-Gen4x4-NVMe-SSD stellt die nötige Lese-/Schreibgeschwindigkeit für die großen Bilddateien sicher.

Ergebnis: Die durchschnittliche Befundungszeit pro Fall konnte deutlich verkürzt werden. Das KI-System dient als Zweitbefunder und erhöht die Erkennungsrate auffälliger Gewebeveränderungen. Die lüfterlose Konstruktion gewährleistet einen störungsfreien 24/7-Betrieb ohne Wartungsintervalle für Lüfter oder Filter.

Szenario 2: Automatisiertes Probenmanagement im klinischen Labor

Ein Großlabor verarbeitet täglich mehrere tausend Blut- und Urinproben auf automatisierten Analyselinien mit Sortierern, Zentrifugen, Analysatoren und Archivierungssystemen verschiedener Hersteller. Die heterogene Gerätelandschaft kommuniziert über RS-232, RS-485 und Ethernet – die zentrale Steuerung und LIMS-Anbindung muss zuverlässig und ohne Ausfallzeiten laufen.

Lösung: An jeder Analyselinie wurde ein Neousys Nuvo-9531 als Steuerungs- und Datenknoten installiert. Die vier 2,5-GbE-Ports trennen das Gerätenetz physisch vom Labornetz und dem Verwaltungsnetz. Über MezIO-Erweiterungen sind zusätzliche RS-232/485-Ports für die Anbindung älterer Analysegeräte verfügbar. Die Hot-Swap-SSD-Halterung ermöglicht das regelmäßige Sichern und Austauschen der lokalen Datenspeicher, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Das kompakte Gehäuse findet unter der Laborbank Platz.

Ergebnis: Stabile LIMS-Anbindung aller Analysegeräte, lückenlose Probenverfolgung per Barcode und reduzierte IT-Wartungsaufwand dank lüfterlosem Design ohne Staubfilter-Wechsel.

Relevante Normen und Standards

Beim Einsatz von Industrie-PCs in der Medizintechnik und im Labor sind die folgenden Normen und Standards von besonderer Bedeutung. Sie betreffen sowohl den Gerätehersteller als auch den Systemintegrator, der den Industrie-PC in ein medizinisches Gesamtsystem einbaut.

EN 60601-1 – Sicherheit medizinisch-elektrischer Geräte

Die EN 60601-1 (identisch mit IEC 60601-1) ist die zentrale Sicherheitsnorm für medizinisch-elektrische Geräte. Sie definiert Anforderungen an elektrische Sicherheit, mechanische Festigkeit, Schutz vor gefährlicher Strahlung und elektromagnetische Verträglichkeit (EMV, Teil 1-2). Die Nebennorm EN 60601-1-2 regelt spezifisch die EMV-Anforderungen und verlangt sowohl niedrige Emissionen als auch hohe Störfestigkeit – medizinische Geräte dürfen weder andere Geräte stören noch selbst gestört werden. Für den Industrie-PC als Komponente bedeutet das: Je niedriger die Basisemission, desto einfacher gelingt die EN-60601-1-Konformität des Gesamtsystems. [7]

IEC 62304 – Software-Lebenszyklus für Medizinprodukte

Die IEC 62304 definiert Anforderungen an den Software-Lebenszyklus von Medizinprodukten – von der Entwicklung über die Wartung bis zur Außerbetriebnahme. Sie gilt für Software, die in medizinische Geräte eingebettet ist oder als eigenständige Software (Software as a Medical Device, SaMD) qualifiziert wird. Für den Industrie-PC-Hersteller ist die Norm mittelbar relevant: Die Langzeitverfügbarkeit der Hardware-Plattform stellt sicher, dass validierte Softwarekonfigurationen über den gesamten Zertifizierungszyklus unverändert bleiben können. [13]

ISO 13485 – Qualitätsmanagement für Medizinprodukte

Die ISO 13485 spezifiziert Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem für Organisationen, die Medizinprodukte entwickeln, herstellen oder vertreiben. Sie ergänzt die IEC 62304 um organisatorische Anforderungen wie Dokumentenlenkung, Rückverfolgbarkeit und Lieferantenbewertung. Systemintegratoren, die Industrie-PCs in medizinische Geräte verbauen, müssen in der Regel ein ISO-13485-zertifiziertes QMS nachweisen. Die Wahl eines zuverlässigen Komponentenlieferanten mit transparenter Produktdokumentation ist dabei ein wesentliches Kriterium. [14]

EU-MDR (2017/745) und IVDR (2017/746)

Die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) und die In-vitro-Diagnostik-Verordnung (IVDR) regeln die Zulassung und Überwachung von Medizinprodukten und IVD-Geräten in der Europäischen Union. Sie fordern unter anderem eine klinische Bewertung, ein Risikomanagement nach ISO 14971, eine technische Dokumentation und eine Post-Market-Surveillance. Für den Industrie-PC als Komponente sind insbesondere die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit und Langzeitverfügbarkeit relevant – Neousys gewährleistet eine Plattformverfügbarkeit von mindestens 5 Jahren. [5]

ISO 14644 – Reinräume und reinraumassoziierte Kontrollbereiche

Die ISO 14644 definiert Reinraumklassen anhand der maximal zulässigen Partikelkonzentration pro Kubikmeter Luft. In der pharmazeutischen Produktion und bei der Herstellung medizinischer Implantate gelten typischerweise die Klassen ISO 5 bis ISO 8. Lüfterlose Industrie-PCs mit geschlossenen Gehäusen unterstützen die Einhaltung dieser Grenzwerte, da sie – im Gegensatz zu belüfteten Systemen – keine Partikel aus dem Gehäuseinneren in die Reinraumluft abgeben. [6]

CE und EMV-Normen

Die CE-Kennzeichnung bescheinigt die Konformität mit europäischen Richtlinien für EMV (EN 55032/55035) und Niederspannung. Alle Neousys-Systeme tragen das CE-Zeichen und erfüllen FCC Class A. Die UL-Zertifizierung ausgewählter Serien (Nuvo-9000, Nuvo-9166GC) erleichtert den Einsatz in internationalen Projekten mit nordamerikanischen Zulassungsanforderungen. [15]

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Industrie-PCs eignen sich für den Einsatz in der Medizintechnik?

Für die Medizintechnik eignen sich lüfterlose Industrie-PCs mit geringer elektromagnetischer Emission (EN 55032 Klasse B), kompakter Bauform und 24/7-Dauerbetriebsfähigkeit. Die Neousys Nuvo-9531 Serie bietet mit 212 x 165 x 63 mm eine besonders platzsparende Lösung, während die Nuvo-9160GC Serie mit NVIDIA-RTX-GPU medizinische Bildgebung und KI-gestützte Diagnostik ermöglicht.

Müssen Industrie-PCs in medizinischen Geräten nach EN 60601-1 zertifiziert sein?

Die Norm EN 60601-1 gilt für das Gesamtsystem eines medizinisch-elektrischen Geräts. Der Industrie-PC als Komponente muss nicht eigenständig nach EN 60601-1 zertifiziert sein, sofern der Systemintegrator die Konformität des Gesamtgeräts nachweist. Entscheidend sind geringe EMV-Emissionen, galvanische Trennung und eine zuverlässige Stromversorgung – Eigenschaften, die lüfterlose Neousys-Systeme von Haus aus mitbringen.

Warum sind lüfterlose PCs für Labore und Reinräume besonders geeignet?

Lüfterlose PCs erzeugen keine Luftverwirbelungen und verteilen keinen Staub oder Partikel. Das ist in Reinräumen (ISO 14644) und Laboren essenziell, da Kontaminationen Analyseergebnisse verfälschen und sterile Bereiche kompromittieren können. Zusätzlich entfällt die häufigste Ausfallursache – verschmutzte Lüfter –, was die Zuverlässigkeit im 24/7-Betrieb erhöht.

Welche Schnittstellen benötigt ein Industrie-PC in der Laborautomation?

In der Laborautomation werden serielle Schnittstellen (RS-232/422/485) für die Gerätekommunikation mit Analysatoren und Pipettierrobotern, GigE-Ports für Mikroskopkameras und Bildgebungssysteme, USB 3.2 für Barcode-Scanner und Probenverwaltung sowie Ethernet für die LIMS-Anbindung benötigt. Die Neousys POC-700 Serie vereint all diese Schnittstellen in einem ultrakompakten Gehäuse.

Kann ein Industrie-PC medizinische Bilddaten in Echtzeit verarbeiten?

Ja. GPU-fähige Systeme wie der Neousys Nuvo-9160GC unterstützen NVIDIA-RTX-Grafikkarten mit bis zu 15 TFLOPS FP32-Leistung und ermöglichen damit Echtzeit-Bildverarbeitung für CT, MRT und Ultraschall. Die passive Kühlung der Hauptplatine und das patentierte Belüftungsdesign für die GPU garantieren zuverlässigen Betrieb von –25 °C bis +60 °C – auch in wärmeren Geräteumgebungen.

Quellen und Referenzen

  • [1] Bundesministerium für Gesundheit – Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege – bundesgesundheitsministerium.de
  • [2] NVIDIA – Healthcare and Life Sciences Solutions – nvidia.com
  • [3] Roper, D.L. & Doumas, B.T. (2006): Laboratory Automation, in: Clinical Chemistry – DOI: 10.1373/clinchem.2006.072843
  • [4] Taylor, R.H. et al. (2016): Medical Robotics and Computer-Integrated Surgery – Springer Handbook of Robotics, 2nd Edition
  • [5] EU-Verordnung 2017/746 über In-vitro-Diagnostika (IVDR) – eur-lex.europa.eu
  • [6] ISO 14644-1:2015 – Reinräume und zugeordnete Reinraumbereiche – iso.org
  • [7] IEC 60601-1-2:2014+AMD1:2020 – Medizinische elektrische Geräte, EMV-Anforderungen – iec.ch
  • [8] Neousys Technology – Product Longevity and Lifecycle Policy – neousys-tech.com
  • [9] Neousys Nuvo-9531 Serie – Datenblatt – neousys-tech.com (PDF)
  • [10] Neousys Nuvo-9160GC Serie – Datenblatt – neousys-tech.com
  • [11] Neousys POC-700 Serie – Datenblatt – neousys-tech.com
  • [12] Neousys Nuvo-9000 Serie – Datenblatt – neousys-tech.com
  • [13] IEC 62304:2006+AMD1:2015 – Software-Lebenszyklusprozesse für Medizinprodukte – iso.org
  • [14] ISO 13485:2016 – Qualitätsmanagementsysteme für Medizinprodukte – iso.org
  • [15] Neousys Nuvo-9000 und Nuvo-9166GC UL-Zertifizierung – neousys-tech.com

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